Malteser Magazin 03/2020 Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland
XIV Malteser Magazin 3/20 Diözese Mainz Retter seit Jahrzehnten: Gerhard Hieronimus Bingen (dag) 41 Jahre war Gerhard Hieronimus als Rettungs assistent im Rettungsdienst tätig. Eine Zeitspanne, die heutzutage äußerst selten ist und die Entwicklung des Rettungsdienstes nachzeichnet. „Viele Fahrten. Viel Arbeit. Ganz normal. Und am Ende habe ich meinen Schlüssel abgegeben“, so beschreibt Gerhard Hie ronimus seine letzte Arbeitsnacht auf der Rettungswache Bingen ganz nüchtern. Doch so ganz normal war sie dann doch nicht: Am Ende seiner Schicht nahmen ihn Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Weggefährten zu einer kleinen Feierstunde herzlich in Empfang. „Wir verabschieden heute eine Person, die den Rettungsdienst in Bingen vonAnfang an kennengelernt und ihn 41 Jahre lang aktiv begleitet hat“, be- tonte Hermann-Josef Gundlach, der einer der Gründerväter der Gliederung Bingen ist sowie Freund und Weggefährte von Gerhard Hieronimus. Hermann-Josef Gundlach zeichnete in seiner Rede auch die Entwicklung des Rettungsdienstes nach. Er war bis zu seiner Pensionierung Leiter im Innenministerium und zu- ständig für die Bereiche Feuerwehr, Rettungsdienst und Ka- tastropheneinheiten. Erst 1974 wurde der Rettungsdienst in Rheinland-Pfalz gesetzlich geregelt. Bis dato machten sich Organisationen und Privatleute gegenseitig Konkurrenz. Frauen durften nicht im Rettungsdienst eingesetzt werden, eine Verordnung über das Heben und Tragen von Lasten verhinderte dies. Oft musste in Ermangelung von Rettungs- personal nach dem Backofenprinzip verfahren werden: „Wa- gen auf, Verletzter rein, Wagen zu und weg.“ Während der Woche war der Krankenwagen mit nur einem Fahrer besetzt. Er war darauf angewiesen, dass ihm Angehörige oder Pas- santen beim Einladen von Patienten halfen. Anschließend befand sich der Patient allein im Krankenraum. Nur an Wo- chenenden oder mit Unterstützung von Ehrenamtlichen war der Rettungswagen von zwei Personen besetzt. „Die Fahr- zeuge und Gerätschaften wurden im Laufe der Jahre immer moderner – bis hin zu den hydraulischen Tragen, mit denen die Rettungswagen seit drei Jahren ausgestattet sind. Dies bedeutete für das Personal im Rettungsdienst eine enorme Erleichterung“, erinnert sich Hieronimus. Abseits des Rettungsdienstes war er für die Malteser auch über Ländergrenzen hinweg unterwegs. Gerhard Hieroni- mus begleitete viele Hilfstransporte nach Rumänien und in die Ukraine. Er habe bei den Maltesern viel gesehen und erlebt, erzählt er. „Meine Erlebnisse während meiner Diens- te habe ich immer auf der Wache gelassen und habe wäh- rend all der Jahre gut abschalten können.“ Nun möchte er zur Ruhe kommen und sich ganz auf die Jagd konzentrie- ren – ohne Rücksicht auf einen Dienstplan nehmen zu müs- sen. Und vielleicht möchte er ab und zu auch mal wieder im Rettungsdienst fahren. Dies meint er ganz unbestimmt und ohne sich festzulegen. „Ich freue mich erst einmal auf den neuen Lebensabschnitt“, formuliert Gerhard Hieronimus sei- ne Erwartung auf das, was kommt. Gerhard Hieronimus (4. v. l.) freut sich, dass zur kleinen Feierstunde nach seinem letzten Dienst viele gekommen waren: Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Weggefährten. Foto: Hermann-Josef Gundlach
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